Ein letztes Wort zum Solipsismus

Christian Sonneberg

Solipsisten sind ganz besondere Menschen, nämlich intellektuelle Isolationisten, durch intensives Training in die Lage versetzt, Bornierheit in einer bei geistiger Gesundheit niemals zu erreichenden Vollkommenheit zu praktizieren. Auf den Punkt gebracht, sind sie der Meinung, alles außerhalb ihres Bewußtseins sei Einbildung - auch die anderen Menschen.

Zweifellos ein tolle Sache, soviel über die Welt zu wissen und es jedem so kurz und knapp mitteilen zu können, daß der andere nur ein Produkt des eigenen Bewußtseins sei. Jeder Mensch weiß sofort, wie hoch er seine Bedeutung einzuschätzen hat. Der andere, der mit dem Meta-Bewußtsein kann ihn jederzeit verschwinden lassen, indem er die Einbildung, da sei noch jemand, einfach aufgibt.

Nun sind aber die phantastischen Möglichkeiten der Solipsisten in einem Punkt etwas eingeschränkt. Sie können sich nicht willkürlich einbilden, was sie wollen. Und sie können eine Einbildung die besteht, zum Beispiel uns, nicht willkürlich aufgeben. Einen anderen Menschen kann er sich nur dann "wegdenken", wenn er sich hilfsweise einbildet, den Raum zu verlassen oder ihn umzubringen. Letzteres, z.B., hat aber den Haken, daß sich dann die Zwangsvorstellung entwickeln könnte, von der Polizei gefaßt und lebenslänglich eingesperrt zu werden. Zwar kann er sich nach zehn Jahren einbilden, begnadigt zu werden, aber wenn sein Unterbewußtsein ihm einen Streich spielt, weil sein Über-Ich die Einbildung eines Mordes für noch nicht abgegolten hält, drängt sich ihm die Einbildung auf, seine Begnadigung sei abgelehnt und er müsse weiter brummen.

Ich öffne den Kühlschrank, nehme Pfefferminzeis heraus und esse es. Der Solipsist bildet sich ein, einen eingebildeten Kühlschrank zu öffnen und eingebildetes Pfefferminzeis zu essen, weil er sich sonst nicht einbilden könnte, satt zu sein.

Solipsisten verlieren viele Worte indem sie nur Unsinn reden und wer diesen Idioten sein Ohr leiht verschwendet seine Zeit.


Friesische Blätter