Was Gott uns wirklich sagtNatalina Cafra In den letzten Jahrtausenden ist viel über Gott geredet und geschrieben worden. Und bis heute ist noch nicht einmal entschieden, ob wir von Gott im Singular oder im Plural sprechen sollten. Dabei ist dieser Punkt im Vergleich zu verschiedenen anderen noch unbedeutend. Wer oder was ist Gott und was will er von uns? Es gibt so viele Vorstellungen von Gott und seinen Geboten wie Religionen. Und die Anhänger jeder Religion sind davon überzeugt, daß der Gott ihrer Vorstellung der richtige ist und das die Gebote ausgerechnet ihrer Religion befolgt werden müßten. Dabei gehen die Vorstellungen über das was Gott uns sagen will mitunter sehr weit auseinander. Nur eines haben alle Gottgläubigen dieser Welt gemeinsam: Sie glauben an Gott. Sie zweifeln nicht an seiner Existenz. Wer glaubt, der zweifelt nicht. Denn wahrer Glaube zeichnet sich durch Zweifellosigkeit aus. Man kann nicht sagen es gibt Gott, wie man sagt, vielleicht gibt es heute Regen. Wer sagt, es gäbe vielleicht Regen, meint, er könne, wenn er sich ohne Schirm auf die Straße begibt, naß werden. Wer dagegen fest glaubt, es werde regnen, der wird auch naß - ob es regnet oder nicht! Doch so sicher auch ist, daß alle Gottgläubigen von Zweifeln vollkommen frei sind, so wenig sagt das manchmal aus. Stellen wir z.B. einem Protestanten die Frage was "Gott" sei, welche Gebote er uns gegeben habe und warum wir uns an seine Gebote halten sollten, werden wir enttäuscht feststellen, daß der Gott, der uns beschrieben wird, praktisch keinerlei Auswirkungen auf uns oder den Rest der Welt hat. In den Köpfen vieler moderner Post-Christen ist Gott zu einer allerhöchst unklaren Idee zusammengeschrumpft, deren Verschwinden im Überzeugungs- und Verhaltenssystem keine Lücke hinterlassen würde. Schopenhauer hat schon vor rund 200 Jahren festgestellt, daß der Pantheïsmus die vornehmste Art sei, Gott aus der Welt zu schaffen. Und da hatte er ausnahmsweise recht. Wenn wir es ganz genau nehmen, wie wir es müßten, wenn wir uns mit der Frage beschäftigten, was Gott uns wirklich sagt, und was für uns daraus folgen sollte, dann hätten wir nicht nur die üblicherweise unterschiedenen Religionen, wie Christentum, Islam, Hinduismus, Marienkult etc. zu untersuchen, sondern auch jede Unterabteilung, wie im Falle des Christentums den Katholizismus, die Orthodoxen, die Calvinisten, Menoniten, Anglikaner, Lutheraner etc. und mehr noch: jeden, von diesen Haupt- und Nebenrichtungen abweichenden Privatglauben, sofern sich aus ihm besondere Gebote ergeben. Wenn wir aber jemals diese Untersuchung für abgeschlossen erklären könnten, was wäre gewonnen? Wir hätten so viele sich widersprechende Gebote, Verbote (und vielleicht auch Erlaubnisse?), daß wir kaum annehmen dürften, alle seien wirklich von Gott, wenn es denn nur einen geben soll. Welche Gebote sollten gelten? Und sollten die Gebote, deren Mißachtung keine Folgen hat, überhaupt Berücksichtigung finden? Und schließlich, warum sollten wir überhaupt ein göttliches Gebot befolgen? Sollten wir es aus Angst vor Strafe tun oder weil es uns gefällt, die Gebote eines Stärkeren zu befolgen? Wir sehen, daß es sehr schwierig ist, zu entscheiden, welche Gebote gelten sollen. Leider haben alle Religionskriege, inquisitorischen Maßnahmen, Verbote und Gebote, Ankündigungen, Drohungen, Pogrome und dergleichen noch nicht ausgereicht, eine Einigung auf einen Gott und einen Satz widerspruchsfreier Gebote herbeizuführen. Trotz aller Bemühungen gibt es nach Jahrtausenden noch immer verschiedene Auffassungen darüber, was Gott uns wirklich sagt und was für uns daraus folgt. Es gibt nun vier verschiedene Wege, fortzuschreiten:
Da die meisten nicht wirklich an einen Gott glauben, sondern lediglich irgendwelche verschommenen Hoffnungen hegen, nach dem Tode weiterzuleben, als Lebende beschützt zu werden oder dergleichen, gehen wir den vierten Weg. Nur ganz selten spielt Religion überhaupt noch eine Rolle für unsere Gesetze. Wie ich gezeigt habe, ist dies für vernünftige Menschen der einzig wirklich gangbare Weg. Für wirklich Gläubige freilich ist dies kein Weg. Wer wirklich glaubt, muß den Geboten seiner Religion folgen, was auch immer sich daraus für das Zusammenleben mit anderen Menschen ergeben mag. Wer hier Einschränkungen macht, Toleranz praktiziert und sich anpaßt, die strikte Einhaltung der für ihn geltenden Gebote auch nur zum Teil aufgibt, versündigt sich, was ein wirklich Gläubiger auf Dauer nicht mit seinem Glauben vereinbaren kann. Wirklicher Glaube macht Kompromisse unmöglich und ist damit höchst gefährlich. Unsere moderne Gesellschaft und der scheinbare Religionsfrieden sind nur möglich, weil kaum einer der frei herumläuft einem unangepaßten echten Glauben frönt. Ein typischer Christ sieht nicht in die Bibel um zu erfahren wie er sich zu verhalten hat. Natürlich spielt die Religion für sein Verhalten noch eine gewisse Rolle, aber alle gefährlichen Ecken und Kanten sind im Laufe der Jahrhunderte abgeschliffen. Er darf töten, Zins nehmen, sich scheiden lassen (Protestanten), muß nicht mehr regelmäßig zur Kirche gehen und nur noch beten, wenn er gerade etwas von Gott will. Was aber, wenn die Anhänger einer Religion, welcher auch immer, Recht haben? Was, wenn einer der unzähligen Götter wirklich existiert, seine Gebote bestehen und wirksam werden für die Lebenden oder die Toten? Das wäre in der Tat fatal! Dann wäre es besser gewesen, sich rechtzeitig der entsprechenden Glaubensgemeinschaft angeschlossen und die Gebote des betreffenden Gottes befolgt zu haben, vorausgesetzt, man könnte rational entscheiden, welche Religion die richtige ist - wenn überhaupt eine. Tatsächlich gibt es aber keinen Grund zur Beunruhigung. Wir alle werden von nichts anderem als unseren Mitmenschen und den lebensfeindlichen Erscheinungen der Flora und Fauna behelligt durchs Leben schreiten, bis wir an das Ende gelangt sind und dann tot sein, uns in unsere Bestandteile auflösen und tot bleiben für immer und ewig, ohne das uns der Teufel piesackt oder Zeugen Jehovas uns die Tür einrennen. Wer etwas anderes annimmt, will es entweder gar nicht so genau wissen oder ist ziemlich verwirrt und wir alle wissen wie das schließlich enden wird. |