Demokratie für Chile?

Nachdem Pinochet sich vergeblich um eine demokratische Legitimation seiner Diktatur bemüht hat, spricht jetzt alle Welt von einem Sieg der Demokratie. Doch welche Art von Demokratie ist in Chile überhaupt möglich?

44 Prozent der Chilenen ziehen die Diktatur der Demokratie vor. Und diese 44 Prozent wiegen schwerer als die 55 Prozent der Gegner Pinochets, denn sie sind es, die das Geld und die Macht besitzen, aus ihrem Kreise werden die bürgerlichen Politiker kommen, auf die die in- und ausländischen Kapitalbesitzer ihr Geld setzen.

Wer von Demokratie in Chile spricht, spricht von einer Demokratie der Mittelschicht nach westlichem Muster. Es gibt aber außer der gut situierten Mittelschicht noch eine wesentlich größere Unterschicht die verarmt und ausgebeutet ist. Wer hungert und verelendet ist, ohne eine Aussicht auf Besserung der Zustände zu haben, kann sich kaum für eine Demokratie der Reichen erwärmen.

Und sollte es zu einer Regierung aus Sozialisten und Kommunisten kommen, einer Regierung die (vielleicht) die Interessen der Mehrheit vertritt, wird die westliche Welt ihr Kapital zurückziehen um in anderen Staaten höhere Gewinne zu machen, und die 44 Prozent werden ihr Kapital und ihre Macht einsetzen um sich gegen die Besitzansprüche der Unterschicht zu wehren.

Was auch immer passiert: Auf keinen Fall wird in Chile die Demokratie siegen, denn Demokratie ist mit den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen Chiles unvereinbar.


Friesische Blätter