BuchtipAn dieser Stelle möchte ich ein Buch, das zwar schon in den zwanziger Jahren ein wahrer Bestseller war und auch heut noch aktuell und relativ leicht zu erhalten ist, wiewohl es nicht mehr gedruckt wird, vorstellen. Dieses Buch wurde seinerzeit von einem der größten Zukunftsforscher und Visionäre deutscher Zunge des 2O-ten Jahrhunderts geschrieben und enthält in seinen zwei Bänden scharfsinnige Analysen sowohl der damaligen Strömungen des Zeitgeistes als auch der jüngsten Vergangenheit, die damals der verlorene erste Weltkrieg darstellte. Ohne den analytischen Ansatz seiner Abhandlung aus den Augen zu verlieren, entwirft der Autor schließlich konkrete Modelle für die Politik der nahen Zukunft, wobei er sich jedoch stets zunächst der Herleitung allgemeinerer Grundsätze befleißigt, so daß heute noch einige seiner Ratschläge durchaus politisch fruchtbar gemacht werden können. Löblich sei hier zum Exempel der Entschluß der Bayrischen Landesregierung erwähnt, ihre Polizei nun endlich mit Gummigeschossen auf Randalierer zu hetzen, was ganz im Sinne unseres Autoren ist, welcher hervorhebt: " Der Terror ... anläßlich der Massenveranstaltung wird immer von Erfolg begleitet sein, solange nicht ein gleich großer Terror entgegentritt.". Folglich werden wir, die wir unmöglich einen Triumph jener Chaoten wünschen können, mit jenem Herrn Hillermeyer konform gehen, der nur, um große Gefahren für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung abzuwenden, jene zu Unrecht umstrittene und kritisierte Entscheidung als Bayrischer Innenminister zu fällen hatte. Hierzu ist noch zu vermerken, daß der Autor sich natürlich auch hinsichtlich der Grundsätze einer jeden Sozial- und Wirtschaftspolitik in scharfsinniger Manier geäußert hat, indem er hervorhebt, "daß die soziale Tätigkeit nie und nimmer in ebenso lächerlichen wie zwecklosen Wohlfahrtsduseleien ihre Aufgabe zu erblicken hat, als vielmehr in der Beseitigung solcher grundsätzlicher Mängel in der Organisation unseres Wirtschafts- und Kulturlebens ...". In bezug aud eine fundamentale Umstrukturierung der Gesellschaft ist der Autor radikaler als alle Politiker, die es nachfolgend in Deutschland gegeben hat. Tatsächlich erschöpfen sich doch bislang die Maßnahmen zur Erhaltung des sozialen Netzes in der Bereitstellung großer Geldmengen, wobei jedoch die ursächlich verantwortlichen Grundstrukturen unserer privat-kapitalistischen Wirtschaft und der darauf fußenden Gesellschaftsordnung unangetastet bleiben. Letztlich ist also hierzu festzustellen, daß das Unverständnis, auf das der Autor mit seiner Analyse der damaligen Gesellschaft, die in diesen Punkten der heutigen doch ähnlich war, stößt, wohl auf den doch relativ hohen Lebensstandard der Gegenwart zurückzuführen ist, der die Probleme zu überspielen gestattet. Erst wenn es also in Zukunft aufgrund ständig wachsender Rationalisierungsstandards die Massenarbeitslosigkeit zu Auswirkungen führt, die charakteristisch für die damalige Zeit waren, werden die Menschen eventuell auf die Grundsätze zurückgreifen, die in jenem Buche so klar beschrieben sind. Rechts wie links sind bislang keine Tendenzen erkennbar, die in diese Richtung gehen, obzwar unter den parlamentarischen Parteien die "Grünen" doch zu radikalen Lösungen tendieren, die auch und gerade das Wirtschaftsleben betreffen, die aber aus den gleichen, oben dargelegten Gründen in naher Zukunft wohl noch keine Chance auf Verwirklichung haben werden. Manches Mal aber läßt der Autor die nötige Distanz zu den von ihm betrachteten Strömungen des Zeitgeistes vermissen, besonders in bezug auf den damaligen Antisemitismus, so daß er in seinem ja bereits 1924 erschienenem Werk allzu häufig der jüdischen Weltfinanz die eigentliche Schuld an der nahenden Wirtschaftskrise gibt, wobei man aber nicht mit Sicherheit entscheiden kann, ob er nicht eventuell nur der Auflage seines Werkes dienlich sein wollte, denn den Sieg des Nationalsozialismus hat er in aller Klarheit prognostiziert. Ebenso sind auch seine Analysen des Weltkriegsverlaufes bisweilen von einem nicht zu leugnenden Pathos, so daß seine Erkenntnisse im weiteren Verlauf nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit zur Kenntnis genommen worden sind, was wegen ihrer nachmaligen Bestätigung um so betrüblicher zu vermerken ist. In erster Linie ist hier wohl anzuführen, daß die Sowjetunion die ausdrückliche Warnung "Man schließt aber keinen Vertrag mit einem Parner, dessen einziges Interesse die Vernichtung des anderen ist." in den Wind schlug und doch den Pakt mit dem nationalsozialistischen Deutschland schloß. Natürlich haben alle Seiten aus diesem Unglücksfall gelernt und befolgen seither jenen Ratschlag aufs beste, worauf wohl auch der doch arg schleppende Gang der Abrüstungsverhandlungen. Keineswegs erschöpft sich aber das zweibändige Werk in nüchternen Betrachtungen der oben beschriebenen Art, es stellt vielmehr eine umfassende Betrachtung der damaligen Zeit und ihrer Beziehung zur Autobiographie des Verfassers selbst dar, in welcher er geschickt persönliche Eindrücke, Anekdoten und präzise Analysen miteinander verbindet. Anders kann der große Erfolg, der sich in einer Millionenauflage ausdrückte, wohl nicht erklärt werden, denn der Verfasser hatte mit seiner Darstellungsart den Ton seiner Zeit genau getroffen, wobei ihm sein scharfer Intellekt sicher von großem Nutzen gewesen ist. Mancher wird nun vielleicht schon sehr begierig sein, dieses Buch sich anzuschaffen und zu lesen, doch der wird es, da es nach dem Krieg nicht mehr gedruckt worden ist, in Buchhandlungen nicht mehr finden, was jedoch, da noch viele Exemplare in privatem Besitz sind, kein großes Hindernis darstellt. Passend zum 100. Geburtstag des Verfassers soll übrigens 1989 noch unbestätigten Gerüchten zufolge eine Gedenkausgabe im Axel Springer Verlag herauskommen in Ergänzung zu einer geplanten Dokumentation des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Für alle die, die bis dahin nicht warten wollen, sei auf die eifrige Tätigkeit verschiedener Lesezirkel, die sich um die Verbreitung der vom Autor so klar niedergelegten Gedanken bemühen, als Abschluß dieses Artikels hingewiesen, der übrigens den Namen des Verfassers und des Werkes akrostisch enthält, so daß diejenigen, die noch immer nicht wissen, von wem hier die Rede war, sich alles Nötige aus den Satzanfängen erschließen können. |